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0. Inhaltsverzeichnis
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0. Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
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2. Ernst Nolte: Der Faschismus als transnationales Phänomen
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I. Grundlagen
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II. Faschismusbegriff
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III. Beurteilung
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3. Karl Dietrich Bracher: Ein strukturgeschichtlicher Ansatz
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I. Grundlagen
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II. Gesamteuropäische Strömungen
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III. Deutsche Entwicklungszusammenhänge
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IV. Beurteilung
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4. Schlussbetrachtungen
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5. Bibliographie
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1. Einleitung
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Das Thema dieser Arbeit ist ‚der Nationalsozialismus als eigenständiges Phänomen‘, also die Frage, ob der Nationalsozialismus als sogenannter ‚Deutscher Sonderweg‘ eine zeitliche und / oder nationale Einzigartigkeit besessen hat oder als eine (wenn auch extreme) Ausprägung eines verbreiteten gesamteuropäischen Faschismus betrachtet werden muss.
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Es versteht sich von selbst, dass eine Beantwortung dieser Frage stark von der verwendeten Definition des Faschismusbegriffs abhängt. Faschismusdefinitionen gibt es jedoch beinahe unendlich viele, allein die marxistischen Interpretationen bestehen aus zahlreichen Variationen, weshalb ich mich im wesentlichen auf zwei Autoren und deren Position beschränken möchte. Zum einen handelt es sich dabei um Ernst Nolte, der den Faschismus als transnationales Phänomen versteht, zum andern um Karl Dietrich Bracher, der sich weigert, den Begriff des Faschismus überhaupt zu definieren und stattdessen eine spezifische Aufarbeitung der einzelnen Erscheinungen fordert.
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2. Ernst Nolte: Der Faschismus als transnationales Phänomen
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I. Grundlagen
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Schon der Aufbau seines Werks ‚Die faschistischen Bewegungen‘ kennzeichnet die Position Ernst Noltes: Nach einigen gesamteuropäischen Vergleichen besteht der letzte Teil aus einer Darstellung aller nationalen faschistischen Bewegungen Europas. So werden unter dem Kapitel ‚Mitteleuropa‘ die Schweiz, die Tschechoslowakei, Österreich, Italien und Deutschland nacheinander behandelt.
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Nolte ist jedoch nicht so naiv, diese Erscheinungen gleichzusetzen, er anerkennt sehr wohl gewisse spezifisch-nationale Voraussetzungen. So sei in Deutschland beispielsweise der feudal-monarchische Staat bis 1918 besonders ausgeprägt gewesen. Die Reformation und damit die religiösen Auseinandersetzungen hätten in Deutschland begonnen und äusserst intensiv stattgefunden. Das liberale System sei aufgrund der aufklärerischen Tradition überdurchschnittlich ausgeprägt gewesen und habe wegen der reaktionären Bestrebungen doch unter massiver Kritik gestanden.
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II. Faschismusbegriff
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Das Zugeständnis dieser und weiterer nationaler Eigentümlichkeiten halten Nolte jedoch nicht davon ab, dem Faschismus eine gesamteuropäische Bedeutung zu geben. In seinem Werk ‚Der Faschismus in seiner Epoche‘ definiert er diesen nämlich wie folgt:
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„Faschismus ist Antimarxismus, der den Gegner durch die Ausbildung einer radikal entgegengesetzten und doch benachbarten Ideologie und die Anwendung von nahezu identischen und doch charakteristisch umgeprägten Methoden zu vernichten trachtet, stets aber im undurchbrechbaren Rahmen nationaler Selbstbehauptung und Autonomie.“
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Als Illustration dieser Definition soll der Zusammenhang zwischen dem Bolschewismus und dem deutschen Faschismus dienen, den Nolte in seinem Werk ‚Der europäische Bürgerkrieg‘ behandelt. Der Bolschewismus habe den deutschen Faschismus nämlich kausal hervorgerufen. Beide totalitären Bewegungen waren nach Nolte vom Enthusiasmus erfüllt und fest entschlossen, den Gegner zu vernichten. Er entwickelt mit zahlreichen Paradoxien (beispielsweise sei am Ende des Zweiten Weltkriegs das Dritte Reich ‚internationalistischer‘ und die Sowjetunion ‚nationalistischer‘ geworden) ein facettenreiches Bild des Verhältnisses der beiden Ideologien. Abschliessend behauptet er, dieses Verhältnis sei geprägt gewesen von einem wechselseitigen Vor- und Schreckbildcharakter zugleich.
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III. Beurteilung
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Es drängt sich der Vorwurf auf, dass ein solches Konzept die spezifischen Faktoren beispielsweise einer Machtergreifung vernachlässige. Die nationalen Eigentümlichkeiten würden so, wenn auch anerkannt, nicht in die Theorie selbst miteinbezogen. Ferner wird Nolte vorgeworfen, dass er zwar auf die Interaktion zwischen marxistischer und faschistischer Ideologie eintrete, jedoch gar keinen Beweis für die Existenz einer gesamteuropäischen faschistischen Ideologie liefere. Dies sei ja aber gerade der Kern der umstrittenen Diskussion.
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Noltes Ansatz soll deshalb als Beispiel eines transnationalen Definitionsversuchs des Faschismusbegriffs dienen: Wenn sich gewisse Parallelen zwischen den einzelnen nationalen Faschismen nicht abstreiten und sich daraus auch einzelne Erkenntnisse gewinnen lassen, so scheint ein von den spezifisch-nationalen Voraussetzungen losgelöstes Erklärungsmodell der Komplexität einer Faschismusbewegung doch nicht ganz gerecht werden zu können.
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3. Karl Dietrich Bracher: Ein strukturgeschichtlicher Ansatz
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I. Grundlagen
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Karl Dietrich Bracher hat die Gefahr transnational gefasster Faschismusbegriffe so formuliert, dass
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„alles in einen Topf geworfen wird: ob es sich um Militärregime, Entwicklungsdiktaturen, lateinamerikanische Oligarchien handelt oder ob gar westliche Demokratien an ihren Krisenpunkten als faschistisch beschimpft werden. Das läuft entweder auf eine Dämonisierung aller Diktaturtendenzen oder aber auf eine Bagatellisierung derjenigen Regime hinaus, die sich wie das nationalsozialistische Gewalt- und Vernichtungssystem auch vom italienischen Faschismus weit und prinzipiell unterscheiden.“
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Von dieser Aussage ausgehend unterscheidet Bracher zwischen einer gesamteuropäischen und einer nationalen Ebene, wobei jede Behandlung des Themas beide Ebenen gleichzeitig berücksichtigen müsse.
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II. Gesamteuropäische Strömungen
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Auf gesamteuropäischer Ebene erkennt Bracher vier grosse Strömungen, aus denen sich der Faschismus ideologisch herleiten lasse. Die ersten beiden bezeichnet er als „imperialistisch übersteigerten Nationalismus neuer Prägung“ sowie als „konservativ-autoritäre Vergottung des allmächtigen Staates“. Die erste Strömung sei an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert als Gegenkonzept zur französischen Revolutionspolitik entstanden. Die universalen Menschheits- und Humanitätsgedanken der Franzosen und die daraus resultierenden Bewegungen des Liberalismus, Demokratismus und schliesslich des internationalen Sozialismus hätten mit der Zerstörung der alten Ordnungsstrukturen auch Raum für nationalistische Parolen geschaffen. So irrational diese Parolen auch sein mochten, sie hätten ein Bedürfnis, ein tiefes Gefühl nach Zugehörigkeit und Ordnung repräsentiert und seien allein deshalb stillschweigend akzeptiert worden. Die erste Strömung führt schliesslich automatisch in die zweite, da diese Identifizierung von Volk und Nation nämlich zur Bildung von Geschichtsmythen, zu blindem Patriotismus und zur Unterdrückung von Minderheiten geführt habe. Die Zentralisierungen, der Bürokratismus und sogar der Imperialismus des 19. Jahrhunderts sei in diesem Licht zu sehen:
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„So schwebte das neu erwachte Nationalgefühl, das eine so wichtige Rolle bei der Emanzipation des Staatsbürgers und der Demokratie gespielt hat, in der steten Gefahr, in Diktatur und Zerstörung umzuschlagen.“
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Als dritte Strömung nennt Bracher „eine nationalistisch-etatistische Sonderform des Sozialismus, die Sozialromantik und Staatssozialismus zu verbinden“ gesucht habe. Dabei sei der marxistischen Doktrin vom Klassenkampf mit der Forderung der Umwandlung des politisch-gesellschaftlichen Gefüges auf internationaler Ebene die Ideologie eines national begründeten Sozialismus entgegengestellt worden: Geschlossenheit nach innen statt Klassenkampf, Mobilisierung nach aussen statt Internationalismus – Der Staat als gigantischer Organismus sozusagen.
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Als vierte Strömung sieht Bracher schliesslich „eine völkisch und rassistisch begründete Gemeinschaftsideologie“. 1844 hat Charles Darwin seine Selektionslehre veröffentlicht, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde dieses neu entdeckte ‚Naturgesetz der Entwicklung und Auslese‘ auch auf die geschichtlich-soziale Welt übertragen. In diesem sogenannten ‚Sozialdarwinismus‘ sei ‚das Recht des Stärkeren‘ als Grundprinzip des menschlichen und staatlichen Zusammenlebens postuliert worden:
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„Im Siegeszug der modernen Naturwissenschaften erschien nun auch Geschichte und Völkerschicksal als biologische Gegebenheit: die Qualität und die Förderung von Volk und Rasse entschieden wie in der Natur den Kampf um Auswahl, Überleben und Sieg des einen Volkes über das andere.“
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III. Deutsche Entwicklungszusammenhänge
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Diesen vier gesamteuropäischen Strömungen als Voraussetzungen des Faschismus stellt Bracher vier spezifisch deutsche Entwicklungszusammenhänge entgegen, die er als Voraussetzungen des Nationalsozialismus betrachtet. Als erstes nennt er „die Sonderlage und das Sonderbewusstsein der Deutschen gegenüber der Französischen Revolution und ihren Folgen“. Als Sonderlage bezeichnet er die geographische Lage und die Führungsstellung im mittelalterlichen Imperium, die Deutschland daran gehindert hätten, nach dem Zerfall des alten Reiches in lose verbundene Territorialstaaten zusammen mit den westlichen Nationen eine zentral regierte, historisch-national begründete Staatlichkeit zu finden. Als Sonderbewusstsein bezeichnet er das Aufkommen eines Volksbegriffs mit dem Gedanken, dass das Individuum hinter das Volk zurückzutreten, sich notfalls dafür zu opfern habe. Ein ‚Sendungsgedanke‘ des Germanentums unter deutscher Führung sei kreiert worden, der in der Revolution 1848 seinen Höhepunkt erreichte:
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„Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt, wenn es stets zum Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält.“
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Doch die Revolution blieb erfolglos, und Bracher sieht in diesem „Scheitern der Revolution von 1848 und seiner Konsequenz, Bismarcks konservativ-nationaler Revolution von oben“, den zweiten Entwicklungszusammenhang. Der dritte Zusammenhang ist laut Bracher die direkte Folge davon, nämlich „die inneren Strukturprobleme des neuen Deutschen Reiches und sein im Ersten Weltkrieg gipfelnder Drang zur Weltmacht“. So seien das Verhindern eines funktionierenden parlamentarischen Systems, der Niedergang der Liberalen und das preussische Dreiklassenwahlrecht Strukturfehler gewesen, die nur mit dem Glanz aussenpolitischer Erfolge hätten verdeckt werden können. Spätestens mit der Industrialisierung sei die politische Ordnung der gesellschaftlichen Struktur nicht mehr gerecht geworden. Auch die internationale Isolierung des deutschen Imperialismus und damit die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs seien soziale und ökonomische Folgen dieser Strukturfehler gewesen. Theodor Mommsen beurteilt die Bismarcksche Periode deshalb folgendermassen:
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„Der Schaden der Bismarckschen Periode ist unendlich viel grösser als Ihr Nutzen, denn die Gewinne an Macht waren Werte, die beim nächsten Sturme der Weltgeschichte wieder verloren gehen; aber die Knechtung der deutschen Persönlichkeit, des deutschen Geistes, war ein Verhängnis, das nicht mehr gutgemacht werden kann.“
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Oder wie es Friedrich Nietzsche formuliert hat:
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„‚Deutschland, Deutschland über alles‘, ich fürchte, das war das Ende der deutschen Philosophie.“
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Als vierten und letzten Entwicklungszusammenhang bezeichnet Bracher schliesslich „die tiefe Enttäuschung über das Scheitern von 1918“ und die „krisenreiche Nachkriegsgeschichte der Weimarer Republik“. So seien die Dolchstosslegende und die Mentalität des preussischen Militarismus für die Entstehung, die Weimarer Republik als willkommenes Hassobjekt sowohl für die restaurativen wie auch die reaktionären Kräfte für die Ausbreitung und der Antikommunismus sowie die für das industrialisierte Deutschland harten Folgen der Weltwirtschaftskrise für die Durchsetzung des Nationalsozialismus verantwortlich gewesen.
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IV. Beurteilung
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| Gesamteuropäische Strömungen |
Deutsche Entwicklungszusammenhänge |
| imperialistisch übersteigerter Nationalismus neuer Prägung |
Sonderlage und Sonderbewusstsein der Deutschen gegenüber der Französischen Revolution und ihren Folgen |
| konservativ-autoritäre Vergottung des allmächtigen Staates |
Scheitern der Revolution von 1848 und Konsequenz (Bismarcks konservativ-nationale Revolution von oben) |
| nationalistisch-etatistische Sonderform des Sozialismus, die Sozialromantik und Staatssozialismus verbindet |
innere Strukturprobleme des neuen Deutschen Reiches und im Ersten Weltkrieg gipfelnder Drang zur Weltmacht |
| völkisch und rassistisch begründete Gemeinschaftsideologie |
tiefe Enttäuschung über das Scheitern von 1918; krisenreiche Nachkriegsgeschichte der Weimarer Republik |
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Zusammenfassend kann über Bracher gesagt werden, dass sein strukturgeschichtlicher Ansatz eine hohe Komplexität aufweist und damit einige plausible Zusammenhänge aufzudecken vermag. Verschiedene Argumente verlieren aber bei genauerer Betrachtung ihre Schlagkraft und wirken zum Teil etwas konstruiert, anderen bei diesem Ansatz vernachlässigten Aspekten (beispielsweise dem Führerkult Hitlers oder Gemeinsamkeiten mit anderen europäischen Faschismen) wird er schlicht nicht gerecht. Bracher verteidigt sich wie folgt:
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„Hier liegen die Grenzen eines generellen Faschismus-Begriffs: der nationalistische Ansatz setzt tiefe Unterschiede von Land zu Land. Ebenso wenig ist eine monokausale Erklärung möglich, ob sie nun von ökonomischen, politischen oder ideologischen Bedingungen ausgeht. Der Nationalsozialismus war [...] ein direktes Produkt des Ersten Weltkriegs, aber er gewann sein Wesen und seine Wirkung aus jenen Grundproblemen der neueren deutschen Geschichte, die den Leidensweg der demokratischen Bewegung mitbestimmt haben.“
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4. Schlussbetrachtungen
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Es ist klar, dass eine abschliessende Beurteilung des Nationalsozialismus als Teil der europäischen Faschismusbewegungen bzw. als ‚Deutscher Sonderweg‘ ausführlichere Betrachtungen nicht nur mit mehreren Positionen, sondern auch mit den Quellen selbst voraussetzen würde. Diese Betrachtungen würden den Rahmen dieser Arbeit aber bei weitem sprengen. Ich habe mich deshalb exemplarisch auf die Darstellung je einer pro-transnationalen sowie einer pro-nationalen Position beschränkt.
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Abschliessend möchte ich, sozusagen als Fazit, noch eine längere Passage von Wolfgang Wippermann zitieren. Wippermann steht irgendwo zwischen den beiden Positionen, wägt diese differenziert gegeneinander ab und bringt auch einige neuen Betrachtungen in die Diskussion ein.
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„Die [...] Frage, ob man an einem allgemeinen Faschismusbegriff festhalten kann, ist [...] mit einem allerdings eingeschränkten Ja zu beantworten. Im Hinblick auf ihr Erscheinungsbild, ihre Ideologie, Zielsetzung und politische Taktik gibt es grosse Übereinstimmungen. Die [...] faschistischen Parteien [...] waren hierarchisch nach dem Führerprinzip gegliedert, verfügten über uniformierte und bewaffnete Abteilungen und wandten einen damals neuartigen und spezifischen politischen Stil an. Dies gilt für die Massenkundgebungen, die Massenaufmärsche, die Betonung des männlichen und jugendlichen Charakters der Partei, die Formen einer gewissen säkularisierten Religiösität, [...] und dies gilt schliesslich und nicht zuletzt für die kompromisslose Bejahung und Praktizierung der Gewalt in der politischen Auseinandersetzung [...]. Faschistische Parteien verfolgten eine vergleichbare Ideologie und Ziele, die durch eine grundlegende Ambivalenz gekennzeichnet sind. Die faschistische Ideologie, die mehr war als bloss verschleiernde und instrumentalisierende Propaganda und Manipulation, weist antisozialistische und antikapitalistische, antimodernistische und spezifisch moderne, extrem nationalistische und tendenziell transnationale Momente auf. Dieses ambivalente Verhältnis ist aber nicht bei allen Faschismen in der gleichen Form anzutreffen. Es gibt quantitative, aber keine qualitativen Unterschiede zwischen den einzelnen Faschismen und innerhalb der Geschichte einer faschistischen Partei. [...] Insgesamt sind die europäischen Faschismen durch eine gewisse Varietät gekennzeichnet, wobei vor allen Dingen der deutsche ‚Radikalfaschismus‘ vom ‚Normalfaschismus‘ Italiens und den übrigen faschistischen Bewegungen unterschieden werden muss. Dennoch kann man wenigstens im heuristischen Sinne an einem allgemeinen, aber in sich differenzierten Faschismusbegriff festhalten. [...] Das Suchen nach einer alles umfassenden und alles erklärenden globalen Theorie scheint dagegen im Augenblick wenig förderlich zu sein und führt nur zu einem unfruchtbaren und unbefriedigenden Streit um Begriffe.“
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5. Bibliographie
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Bracher, Karl Dietrich: Die deutsche Diktatur - Entstehung – Struktur – Folgen des Nationalsozialismus, Köln/Berlin 1969.
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Hildebrand, Klaus: Das Dritte Reich (Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 17), München 1995.
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Jesse, Eckhard: Die Totalitarismusforschung und ihre Repräsentanten in: Aus Politik und Zeitgeschichte Bd. 20/98, 1998, S. 3-18.
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Nolte, Ernst: Die faschistischen Bewegungen - Die Krise des liberalen Systems und die Entwicklung der Faschismen, München 1966.
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Nolte, Ernst: Der Faschismus in seiner Epoche - Action française - Italienischer Faschismus–Nationalsozialismus, München/Zürich 1984.
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Nolte, Ernst: Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945 - Nationalsozialismus und Bolschewismus, München 1987.
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Wippermann, Wolfgang: Europäischer Faschismus im Vergleich (1922-1982), Frankfurt am Main 1983.
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