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0. Inhaltsverzeichnis
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0. Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
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2. Informationen und Grundlagen
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A. Erfassung
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I. Datentypen
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II. Periodisierung
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III. Probleme
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B. Auswertung
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I. Vorgehensweisen
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II. Demographische Effekte
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III. Kontexte
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3. Auswertungen
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A. Natalität
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I. Allgemeines
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II. Übersicht
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III. 1725-1825
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IV. 1800-1925
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V. 1900-1999
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B. Mortalität
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I. Allgemeines
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II. Übersicht
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III. 1725-1825
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IV. 1800-1925
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V. 1900-1999
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C. Migration
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I. Allgemeines
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II. Übersicht
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III. 1725-1824
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IV. 1805-1924
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V. 1905-1994
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D. Gesamtbevölkerung
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I. Allgemeines
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II. Übersicht
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III. 1725-1825
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IV. 1800-1925
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V. 1900-1999
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4. Schlussbemerkungen
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5. Bibliographie
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1. Einleitung
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Das Erstellen einer Bevölkerungsgeschichte beinhaltet grundsätzlich zwei Arbeitsschritte:
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1. Das Erfassen von Bevölkerungsdaten. Weil dieser Arbeitsschritt die entstehenden Resultate bestimmt, muss dargelegt werden, welche Daten existieren, welche der existierenden Daten verwendet und wie die verwendeten Daten zueinander in Beziehung gesetzt werden.
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2. Das Auswerten der erfassten Bevölkerungsdaten. Weil dieser Arbeitsschritt Kenntnisse in den verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen voraussetzt, müssen zumindest ansatzweise die benötigten Grundlagen ausgeführt werden.
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Um diesen Forderungen nachzukommen, beginnt die vorliegende Arbeit mit einem kurzen theoretischen Kapitel über Informationen und Grundlagen. Die eigentliche Auswertung erfolgt im zweiten Kapitel und orientiert sich an der für demographische Entwicklungen grundsätzlichen Gleichung:
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Bevölkerung(t2) = Bevölkerung(t1) + Geburten – Todesfälle ± Wanderungen
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Entsprechend ist die Auswertung in die Abschnitte Natalität (Geburten), Mortalität (Todesfälle), Migration (Wanderungen) und Gesamtbevölkerung unterteilt. Diese Faktoren werden in der Literatur oft als rückgekoppelte Prozesse verstanden; auf diese komplexe Darstellung wird hier aus Platzgründen verzichtet. Weiter werden demographische Entwicklungen meist mit den abgeschlossenen Ehen und der daraus abgeleiteten Fruchtbarkeit in Beziehung gesetzt, wobei die Ehen als Werkzeug zur Steuerung des Bevölkerungswachstums verstanden werden; auch auf diese Ausführungen wird hier aus Platzgründen verzichtet. Dafür werden die Bevölkerungsdaten der Gemeinde Worb stets mit den entsprechenden Daten des gesamten Kantons Bern verglichen, was die Auswertung wesentlich aussagekräftiger macht. Ziel der Auswertungen ist also eine einfache und einheitliche Darstellung der demographischen Entwicklung Worbs anhand der oben aufgeführten Gleichung im Vergleich zur Entwicklung des gesamten Kantons Bern.
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2. Informationen und Grundlagen
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A. Erfassung
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I. Datentypen
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Die Quellen der Bevölkerungslehre lassen sich inhaltlich in die zwei Datentypen Bewegungsdaten und Bestandesdaten unterteilen. Bewegungsdaten sind fortlaufend getätigte Einträge von beispielsweise Taufen, Todesfällen und Eheschliessungen; diese Daten stammen vorwiegend aus kirchlichen oder amtlichen Registern. Bestandesdaten sind Momentaufnahmen beispielsweise der Gesamtbevölkerung oder der Ehen; diese Daten stammen vorwiegend aus Volkszählungen. Die Bewegungsdaten entsprechen also der Veränderung der Bestandesdaten.
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II. Periodisierung
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Weiter lassen sich die Quellen der Bevölkerungslehre zeitlich in drei Perioden unterteilen, deren Übergänge allerdings fliessend verlaufen. Für den Kanton Bern werden für die beiden Übergänge die Jahreszahlen 1764 und 1876 genannt; die Zeit davor wird als prästatistische, die Zeit dazwischen als protostatistische und die Zeit danach als statistische Periode bezeichnet.
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Die prästatistischen Bevölkerungsdaten kennzeichnet deren fehlende Vereinheitlichung. Die einzigen Bewegungsdaten dieser Periode sind von den Pfarrern in kirchliche Rodel eingetragene Taufen, Todesfälle und Ehen. Diese ursprünglich freiwilligen Einträge wurden meist in Form eines kurzen Textes getätigt, was zu grossen Unterschieden bezüglich Darstellung und Inhalt der Einträge sowie der erfolgten Einträge überhaupt führt. Bestandesdaten dieser Periode wurden meist in Form der sogenannten Feuerstättenzählungen erhoben, was nach heutigem Sprachgebrauch einer Zählung der Haushalte gleichkommt. Grund für diese Zählungen war meist eine Abschätzung der verfügbaren Wehrpflichtigen.
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Die protostatistischen Bevölkerungsdaten kennzeichnet deren fehlende Konstanz. Bei den Bewegungsdaten verfügte der Bernische Kriegsrat 1776 und 1784 Minimalanforderungen für die von den Pfarrern getätigten Einträge, 1809 wurde die tabellarische Erfassung anhand eines Musters vorgeschrieben und ab 1856 mussten anstelle der Taufen Geburten und Totgeburten erfasst werden. Im selben Jahr gründete der Kanton Bern zudem das Bernische statistische Büro und begann mit einer amtlichen Erfassung gewisser Einträge. Die wechselhafte Strukturierung der Bewegungsdaten dieser Zeit ist ein Spiegelbild der vielen Veränderungen. Bei den Bestandesdaten begann der Kanton Bern in dieser Periode mit ausführlichen Volkszählungen: Die in diesem Umfang im gesamtschweizerischen Vergleich erste Volkszählung von 1764 markierte dabei den Übergang zur Protostatistik. Gründe für die Zunahme der Volkszählungen sind das wachsende Interesse an Bevölkerungsdaten zuhanden des Militärs (Wehrpflichtige), der Kirchen (Verteilung der Konfessionen) und der Politik (Kontrolle der Fürsorge und Steuerung der Wirtschaft). Aufgrund der politischen Wirren der damaligen Zeit erfolgten die Volkszählungen jedoch in unregelmässigen Abständen und wurden erst ab 1860 einheitlich in zehnjährigen Intervallen durchgeführt.
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Die statistischen Bevölkerungsdaten kennzeichnet deren zentrale Koordination. Das Bundesgesetz betreffend Feststellung und Beurkundung des Zivilstandes und der Ehe von 1874 ermöglichte die Einführung eines Bundesamtes für Statistik und damit die gesamtschweizerisch einheitliche Datenbeschaffung ab 1876, was den Übergang zur Statistik markiert. Die Erfassung der Bewegungsdaten in den Gemeinden wurde vereinheitlicht und deren Auswertung zentralisiert. Das Bundesamt für Statistik wurde zudem mit der Überwachung der Bestandesdaten beauftragt, also mit der Organisation der Volkszählungen. Die Bevölkerungsdaten dieser Periode sind deshalb im allgemeinen einheitlich, regelmässig und vollständig.
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III. Probleme
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Wie gezeigt weisen die Daten der drei Perioden quantitativ und qualitativ grosse Unterschiede auf. Entsprechend heikel ist es deshalb, Daten einer Periode in Beziehung zu Daten einer anderen Periode zu setzen. Um Verzerrungen der Auswertungen vorzubeugen, müssen stets folgende drei Umstände berücksichtigt werden: Erstens verändert sich der territoriale Raster; beispielsweise wird aus der Erfassung einer Kirchgemeinde durch den Pfarrer die Erfassung einer Einwohnergemeinde durch Beamte. Zweitens wechselt der räumliche Bezug; beispielsweise wird aus der Erfassung der in einer Gemeinde erfolgten Vermählungen die Erfassung der Vermählungen der Einwohner einer Gemeinde. Und drittens unterscheidet sich die Natur der erfassten Ereignisse; beispielsweise wird aus der Erfassung von Taufen die Erfassung von Geburten. Nur wenn die Daten der drei Perioden entsprechend ihren Umständen aufeinander abgestimmt werden, können Auswertungen über mehrere Perioden ohne Verzerrungen vorgenommen werden.
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B. Auswertung
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I. Vorgehensweisen
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Die Erforschung der Bevölkerungsgeschichte einer Gemeinde kann anhand einer mikrohistorischen oder makrohistorischen Erfassung der Daten betrieben werden. Die mikrohistorische Erfassung entspricht einer Rekonstruktion der Verhältnisse und Dynamik der einzelnen Familien; diese fast ausschliesslich in Frankreich betriebene Form der Erfassung ist ungeheuer aufwendig, erlaubt dafür eine präzise Aufschlüsselung der Daten nach beliebigen Kriterien. Die makrohistorische Erfassung entspricht einer Zusammenlegung der Daten als Summenwerte; diese Form der Erfassung erlaubt nur eine beschränkte Aufschlüsselung der Daten, ermöglicht aber ein günstigeres Verhältnis von Forschungsaufwand und Forschungsertrag. Die hier vorliegenden Auswertungen beruhen auf der zweiten Erfassungsform, eine Aufschlüsselung der Daten (beispielsweise nach Ortschaften) wurde nur stichprobenartig vorgenommen. Aufgrund dieser Vorgehensweise können in erster Linie Rückschlüsse auf die Entwicklung der Gesamtgemeinde gezogen werden.
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II. Demographische Effekte
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Bei der Interpretation von makrohistorisch erfassten Bevölkerungsdaten muss besonderes Gewicht auf die Unterscheidung von Wachstumseffekten und Struktureffekten gelegt werden. Wachstumseffekte sind einfach verständliche Auswirkungen von Veränderungen der gesellschaftlichen Situation: Beispielsweise führt eine wirtschaftliche Rezession allgemein zu rückläufigen Geburtenzahlen. In diesem Sinne können aus Wachstumseffekten grundsätzlich Veränderungen der gesellschaftlichen Situation abgeleitet werden. Struktureffekte hingegen beruhen auf der Alterstruktur der Bevölkerung und sind damit komplexe Folgeerscheinungen vorangegangener Bevölkerungsentwicklungen: Beispielsweise wird eine Generation von schwachen Jahrgängen rund zwanzig Jahre später wieder rückläufige Geburtenzahlen zur Folge haben, weil mit dieser Generation eine unterdurchschnittliche Anzahl an Menschen ins Zeugungsalter eintritt und damit insgesamt weniger Menschen für die Reproduktion zur Verfügung stehen. Struktureffekte treten also verzögert zu einer bestimmten Entwicklung auf und werden deshalb auch Echoeffekte dieser Entwicklung genannt. Gerade bei makrohistorisch erfassten Bevölkerungsdaten ist es aufgrund der beschränkten Datenmenge besonders schwierig, Struktureffekte als solche zu erkennen. Deshalb muss besonders vorsichtig sein, wer für einen Struktureffekt nicht fälschlicherweise Veränderungen der gesellschaftlichen Situation verantwortlich machen will.
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III. Kontexte
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Schliesslich können in der Bevölkerungsentwicklung einer Gemeinde regionale und überregionale Entwicklungen ausgemacht werden. Während regionale Entwicklungen auf die Gemeinde oder zumindest das übergeordnete Gebiet beschränkt sind, betreffen überregionale Entwicklungen das ganze Land oder alle Menschen in einer bestimmten gesellschaftlichen Situation. Die meisten Ursachen weisen sowohl regionalen wie überregionalen Charakter auf, weshalb die jeweilige Entwicklung stets im entsprechenden Kontext zu beleuchten und mit anderen Daten zu vergleichen ist. Die folgenden Bevölkerungszahlen der Gemeinde Worb werden beispielsweise in Beziehung zu den entsprechenden Zahlen des gesamten Kantons Bern gesetzt. Der Vorteil dieses Vorgehens ist eine Einbettung der demographischen Entwicklung der Gemeinde Worb in den Grossraum Bern/Schweiz/Europa. Der Nachteil dieses Vorgehens ist aber eine beschränkte Erklärungsgrundlage für regionale Sonderentwicklungen.
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3. Auswertungen
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A. Natalität
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I. Allgemeines
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Weil die Registrierung von Geburten im Kanton Bern erst 1856 beginnt, muss für die Zeit davor auf die Taufen zurückgegriffen werden; kirchliche Taufrodel bestehen für Worb ab 1566, Vorschrift wurde die Führung eines Taufrodels im Kanton Bern mit dem Armengesetz von 1676 (zwecks Beurkundung des Heimatrechts zur Klärung der Fürsorgepflicht). Dieser Rückgriff auf die Taufen birgt allerdings zwei Ungenauigkeiten.
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Zum einen verändert sich dadurch die Natur der registrierten Ereignisse. Ungetaufte Kinder, beispielsweise Totgeburten oder vor der Taufe verstorbene Kinder wurden vor 1856 im Gegensatz zur Zeit danach nicht registriert. (Eine recht grosse Fehlerquelle, da Kinder in protestantischen Gebieten erst acht bis vierzehn Tage nach ihrer Geburt getauft wurden.) Für die Berechnung der Geburten in Worb wurden die Taufen deshalb mit dem allgemein anerkannten Faktor 1.1 multipliziert.
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Zum andern wechselt dadurch der räumliche Bezug. Ursprünglich wurden Taufen von Worber Kindern in einer anderen Gemeinde nicht registriert, während Taufen von Kindern aus anderen Gemeinden in Worb registriert wurden, kurz: Es wurden die in der Worber Kirche durchgeführten Taufen registriert. Später wurden für Worber Taufen in Worb, Worber Taufen in der Fremde und Fremdtaufen in Worb drei getrennte Rodel geführt. Eine genaue Unterscheidung der Taufen in den frühen Rodeln ist leider kaum möglich.
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II. Übersicht
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Absolute Bevölkerungswerte sind nur beschränkt aussagekräftig; für eine genauere Untersuchung und einen Vergleich mit anderen Daten ist die Umrechnung der Geburten auf eine gleichbleibende Anzahl von Einwohnenden nötig. Für die Zeit vor 1725 ergeben sich daraus drei Probleme:
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1. Die Gesamtbevölkerung kann aufgrund des beschränkten Datenmaterials nur äusserst grob geschätzt werden.
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2. Die Fehleranfälligkeit der Geburtenwerte ist aufgrund der erwähnten Ungenauigkeiten besonders gross.
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3. Es liegen keine Vergleichszahlen des ganzen Kantons Bern vor.
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Aus diesen Gründen muss eine glaubwürdige Auswertung auf die Zeit nach 1725 beschränkt bleiben.
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III. 1725-1825
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Allgemein lässt sich für die Zeit vor 1775 ein Pendeln der Geburtenwerte auf ähnlichem Niveau feststellen, während in den 50 Jahren nach diesem Zeitpunkt ein markanter Anstieg der Geburten erfolgt. Diese Entwicklung kann im ganzen Kanton Bern bzw. in den meisten Gebieten Europas ausgemacht werden. In Worb stiegen die Geburtenwerte im Durchschnitt von 30 Promille von 1725-1774 auf 37 Promille von 1775-1824.
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Die Ursachen für diesen Geburtenanstieg sind umstritten. Die Anzahl der Geburten einer Frau ist grundsätzlich von Beginn und Ende ihrer Gebärfähigkeit sowie den Abständen zwischen den Geburten abhängig; Einfluss auf diese drei Komponenten haben beispielsweise das Heiratsalter, das Lebensalter und die Dauer der Stillzeit. Für den Anstieg der Geburten im Kanton Bern gegen Ende des 18. Jahrhunderts kann grundsätzlich von einer Verkürzung der Geburtenabstände ausgegangen werden; als Ursache für diese Verkürzung werden im wesentlichen eine ökonomische und eine biologische Erklärung genannt:
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Die ökonomische Erklärung geht davon aus, dass die Bereitstellung von Arbeitskräften in einer kapitalistischen Wirtschaft elastisch erfolgt, dass also eine vergrösserte Nachfrage nach Arbeitskräften die Löhne anhebt und dadurch erhöhten Anreiz zur Zeugung von Kindern schaffe. Demnach habe der gewerbliche Aufschwung gegen Ende des 18. Jahrhunderts den Anstieg der Geburtenwerte provoziert. Gegen diese Theorie spricht, dass auch agrarisch geprägte Gegenden vom Geburtenanstieg erfasst worden sind.
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Die biologische Erklärung betont die Abhängigkeit der Bevölkerung von den verfügbaren Ressourcen (wie Nahrungsmittel und Holz). Die Erklärung geht davon aus, dass eine quantitative beziehungsweise qualitative Steigerung der Nahrungsmittelproduktion gegen Ende des 18. Jahrhunderts erreicht werden konnte; besondere Erwähnung verdiene in diesem Zusammenhang die Einführung der Kartoffel. Diese Steigerung habe zu einer besseren Ernährung geführt und dadurch die körperliche Verfassung der Menschen gestärkt, was sich bei den Frauen in Form von gesteigerten Geburtenwerten ausgedrückt habe. Gegen diese Theorie spricht, dass im Gegensatz zum Geburtenanstieg weder die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion noch die Verbreitung der Kartoffel in Europa einheitlich verläuft.
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| Ereignis |
Zeitpunkt |
Ursache |
| ↓ |
1733 |
Folgeerscheinungen der Roten Ruhr 1750 |
| ↑ |
1751-1759 |
Ursache |
| ↓ |
1769-1774 |
Echoeffekt der Roten Ruhr 1750, Wirtschaftskrise |
| ↑ |
1774-1778 |
Echoeffekt der Folgeerscheinungen 1751-1759 |
| ↑ |
1799 |
Reaktion auf Proklamation der Helvetik 1798 |
| ↓ |
1817 |
Wirtschaftskrise |
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IV. 1800-1925
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Nach dem markanten Geburtenanstieg gegen Ende des 18. Jahrhunderts verharrten die Geburtenwerte während des ganzen 19. Jahrhunderts auf relativ konstantem Niveau, grössere Schwankungen traten nur als Folgeerscheinungen von Krisen auf. Gegen die Jahrhundertwende begann aufgrund der Verbreitung der Geburtenkontrolle ein massiver Geburtenrückgang; dieser kontrollierte Geburtenrückgang wird als eines der bedeutendsten Ereignisse in der Evolution des Menschen bezeichnet. Drei Voraussetzungen werden genannt, damit in einer Gesellschaft die Verbreitung der Geburtenkontrolle einsetzen kann: Erstens müssen Sexualität und Reproduktionsverhalten diskussionsfähig sein, zweitens muss die Reduktion der Fruchtbarkeit als vorteilhaft wahrgenommen werden und drittens müssen wirksame Techniken zur Fruchtbarkeitskontrolle bekannt sein. Wie in den folgenden Abschnitten gezeigt werden soll, waren diese Voraussetzungen im Kanton Bern gegen 1900 gegeben:
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1. Nachdem in den Jahrhunderten zuvor sexuelle Aufklärung als Anleitung zur Unzucht strafrechtlich verfolgt worden war, begann in den letzten zwanzig Jahren des 19. Jahrhunderts langsam eine öffentliche Diskussion des Themas. Offenbar bestand für die Menschen dieser Zeit ein Bedürfnis nach Geburtenkontrolle, wurde die einsetzende Diskussion doch als Reaktion auf gängige tabuisierte und deshalb oft gesundheitsgefährdende Praktiken bezeichnet. Die im geheimen betriebene Familienplanung beziehungsweise deren Mund-zu-Mund-Propaganda von Frau zu Frau in den Haushalten und von Mann zu Mann im Militärdienst wurde durch die einsetzende Kontroverse um 1880 also öffentlich sanktioniert.
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2. Das offenbar vorhandene Bedürfnis nach Geburtenkontrolle muss dabei nicht weiter erstaunen. Die gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit (Industrialisierung) hatten zur Folge, dass das Aufziehen von Kindern finanziell unrentabel wurde. In Kombination mit der gesunkenen Kindersterblichkeit verunmöglichte dies vielen Menschen die bis dahin übliche ‚Überproduktion’ von Kindern. Das Bedürfnis nach Geburtenkontrolle war also eine logische Konsequenz der gesellschaftlichen Entwicklungen.
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3. Schliesslich standen dank den chemischen und technischen Fortschritten um 1900 auch die benötigten Verhütungsmittel (wie Kautschukkondome) zur Verfügung. Zusammen mit dem Wissen um die Zusammenhänge zwischen Geschlechtsverkehr und Geburt wurde der Bevölkerung damit also auch die Möglichkeit zur Verhütung gegeben.
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Exemplarische Erwähnung verdient in bezug auf die Verbreitung der Geburtenkontrolle die Einführung der obligatorischen Schulpflicht, die in Bern 1875 durchgesetzt wurde: Erstens wurden die Kinder in der Schule über die Bedeutung der Sexualität aufgeklärt (Diskussion), zweitens konnten sie nicht mehr als Arbeitskräfte eingesetzt werden und mussten für den Schulbesuch passend gekleidet werden (Kosten) und drittens schuf die Verbreitung schulischen Wissens die Basis für eine Weiterentwicklung der Verhütungsmittel (Wissen).
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| Ereignis |
Zeitpunkt |
Ursache |
| ↓ |
1817 |
Wirtschaftskrise |
| ↓ |
1847 |
Kartoffelpest |
| ↓ |
1850-1859 |
Auswanderungen, Wirtschaftskrise |
| ↓ |
1868-1874 |
Auswanderungen, Wirtschaftskrise |
| ↑ |
1920 |
Reaktion auf Ende des 1. Weltkrieges 1918 |
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V. 1900-1999
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Während des Zweiten Weltkrieges stiegen die Geburtenzahlen wieder an und blieben rund zwanzig Jahre auf verhältnismässig hohem Niveau. Als die ersten Generationen dieses Geburtenanstiegs zu Beginn der 1960er Jahre selbst das Zeugungsalter erreichten, trat ein weiterer Geburtenanstieg als Echoeffekt auf. Danach liess der sogenannte Pillenknick die Geburtenwerte zwischen etwa 1965 und 1975 auf bis heute bestehende Tiefstwerte absinken.
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Der Geburtenanstieg während und nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich, neben der normalen Reaktion auf Krisensituationen, vorwiegend mit zwei politischen Massnahmen erklären: Erstens bevorzugten die Rationierungen während des Weltkrieges Kleinkinder weit über ihren Bedarf, womit eine Familie mit Kleinkind Zugriff auf eine überproportionale Menge an Lebensmitteln erhielt; zweitens verbesserte der eingeführte Lohn- und Verdienstersatz die finanzielle Situation von Wehrmännern mit Kindern, was das Aufziehen von Kindern wieder finanziell rentabler werden liess. Aufgrund solcher und ähnlicher Massnahmen wurden das Aufziehen von Kindern wieder sozial und finanziell attraktiver.
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Die Erfindung der Pille 1962 beendete diesen temporären Geburtenanstieg wieder. Diese relativ uneinschränkende, ständige und sichere Verhütungsmethode vermochte die Geburtenwerte noch einmal unter die bisherigen Tiefstwerte der Vorkriegsjahre zu senken. Die Umstände und Ideale der folgenden Generationen haben die Geburtenwerte bis heute auf diesem tiefen Niveau belassen.
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Die überdurchschnittlichen Geburtenwerte der Gemeinde Worb ab 1960 werden im Zusammenhang mit der Mortalität ausführlich behandelt.
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| Ereignis |
Zeitpunkt |
Ursache |
| ↑ |
1920 |
Reaktion auf Ende des 1. Weltkrieges 1918 |
| ↑ |
1940-1945 |
Reaktion auf 2. Weltkrieg |
| ↑ |
1960-1963 |
Folgeerscheinung der Reaktion auf 2. Weltkrieg 1940-1945 |
| ↓ |
1965-1975 |
Pillenknick |
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B. Mortalität
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I. Allgemeines
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Sogenannte Totenrodel, in denen die Pfarrer die Begräbnisse registrierten, existieren für Worb ab 1728. Bei der Erfassung der Todesfälle ist auf dieselbe Problematik des räumlichen Bezugs wie bei den Taufen zu verweisen.
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Ferner muss bei den Todesfällen auf die Unterscheidung zwischen Sterblichkeit von Säuglingen und Sterblichkeit von Nicht-Säuglingen (also Kindern und Erwachsenen) aufmerksam gemacht werden. Grundsätzlich ist die Sterblichkeit von Säuglingen ein konstanter Wert, der nur langfristige Veränderungen aufweist: Marginale Verbesserungen von Hygiene und Medizin beispielsweise erhöhen in besonderem Masse die Überlebenschancen von Kleinkindern. Die Sterblichkeit von Nicht-Säuglingen hingegen ist grundsätzlich ein kurzfristig schwankender Wert, der die jährlichen Zustände und Bedingungen einer Gesellschaft reflektiert: Krankheiten und Versorgungsengpässe beispielsweise wirken sich besonders stark auf die Anzahl der Todesfälle von vorwiegend Kindern und Erwachsenen aus. Für die Entwicklung der Todesfälle ist die Sterblichkeit der Säuglinge deshalb stets gesondert zu betrachten.
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II. Übersicht
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Im Gegensatz zu den Geburten treten bei den Todesfällen Struktureffekte nur beschränkt hervor, während sich Wachstumseffekte noch deutlicher erkennen lassen. Wirtschaftskrisen und grosse Epidemien stechen deshalb bei einer Darstellung von Todesfällen noch deutlicher heraus. Zur genauen Auswertung werden die Werte auch hier auf eine gleichbleibende Anzahl von Einwohnenden umgerechnet.
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III. 1725-1825
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In den Jahren 1725-1825 pendelten die Todesfälle um ein ähnliches Niveau. Diese Kontinuität ist einerseits auf die konstante Säuglingssterblichkeit zurückzuführen, denn medizinische oder hygienische Fortschritte, die den Säuglingen unmittelbar zugute gekommen wären, wurden in dieser Zeit keine erzielt. Andererseits wurde die Bevölkerung immer wieder von Krisen heimgesucht, die periodisch die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft eliminierten und so die Voraussetzung für ausgeglichene Sterblichkeitsraten in krisenfreien Zeiten schufen. Aufgrund der grundsätzlichen Ausgeglichenheit können die grossen Krisen visuell der Grafik entnommen werden. Auffällig sind auch die unterdurchschnittlichen Werte in den Jahren nach einer Krise (weil vorwiegend Menschen in guter Verfassung den Krisenstress überlebten).
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Ursachen von Krisen waren fast ausschliesslich Epidemien und die Wirtschaft. Nach dem Schwarzen Tod (Pest) im 16. und 17. Jahrhundert verbreitete im 18. und 19. Jahrhundert vorwiegend der Rote Tod (Ruhr) Angst und Schrecken; die sonst in Europa gefürchteten Pocken fielen im Kanton Bern kaum ins Gewicht. Wirtschaftskrisen äusserten sich in Form von Arbeitsmangel und Nahrungsmittelknappheit: Während Arbeitsmangel vorwiegend einen Rückgang der Geburten hervorrief, wirkte sich eine Nahrungsmittelknappheit meist unmittelbar auf die Sterblichkeit aus.
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| Ereignis |
Zeitpunkt |
Ursache |
| ↑ |
1750 |
Rote Ruhr (Wert Gemeinde Worb: 105!) |
| ↑ |
1778 |
Wirtschaftskrise |
| ↑ |
1795-1798 |
Erster Koalitionskrieg, Wirtschaftskrise |
| ↑ |
1814 |
Wirtschaftskrise |
| ↑ |
1817 |
Wirtschaftskrise |
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IV. 1800-1925
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Nachdem in den Jahrhunderten zuvor die Todesfälle auf annähernd gleichem Niveau verharrt hatten, begann etwa 1875 ein gut fünfzigjähriger Prozess, der die Sterblichkeit auf unter die Hälfte dieses Niveaus senkte. Diese Reduktion ist von zentraler Bedeutung für die Bevölkerungsgeschichte aller industrialisierten Länder und eine grundlegende Voraussetzung für die anschliessend einsetzende Geburtenkontrolle. Zur Begründung dieses Absinkens der Sterblichkeit werden im wesentlichen vier Erklärungsansätze genannt:
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1. Der biologische Ansatz wurde bereits im Zusammenhang mit der Natalität 1725-1825 behandelt. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine bessere Ernährung die körperliche Verfassung der Menschen gestärkt und so unter anderem zu einer Reduktion der Sterblichkeit geführt habe.
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2. Der mikrobiologische Ansatz geht davon aus, dass die Menschen eine Resistenz gegen gewisse Krankheitserreger entwickelt hätten. Ob diese Resistenz auf eine Mutation der Erreger oder eine Entwicklung des menschlichen Immunsystems zurückgeht und wie diese Mutation bzw. Entwicklung letztlich zustande gekommen ist, kann allerdings nicht erklärt werden. Neben den ausstehenden Erklärungen spricht gegen diesen Ansatz, dass nach darwinistischem Konzept erfolgreiche Lebensformen unter gleichbleibenden Bedingungen nicht einfach so aussterben.
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3. Der umweltmedizinische Ansatz betont das aufkommende hygienische Bewusstsein und den damit verbundenen Kampf gegen stinkende Substanzen und Dreck. Im Gegensatz zum mikrobiologischen Ansatz erscheint das Verschwinden gewisser Krankheitserreger aufgrund der veränderten Umweltbedingungen im Gegensatz zu einer plötzlichen Resistenz plausibel.
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4. Der medizinische Ansatz rückt wissenschaftliche Errungenschaften der Industrialisierung (besonders im Bereiche der Medizin) und administrative Vorschriften (wie den zwingenden Beizug eines Arztes bei kritischen Geburten) in den Vordergrund. Dass medizinische Errungenschaften und Vorschriften zur Reduktion der Sterblichkeit beigetragen haben, dürfte weitgehend unbestritten sein. Fraglich hingegen bleibt, ob diese Erklärung allein ausreicht.
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Abschliessend kann gesagt werden, dass insbesondere Säuglinge von den hygienischen und medizinischen Verbesserungen profitierten: Ausschlaggebend für die massive Reduktion der Sterblichkeit war nämlich zu einem grossen Teil die Abnahme der Säuglingssterblichkeit. Die Jahre 1875-1925 bzw. die in dieser Zeit erfolgende Reduktion der Säuglingssterblichkeit sowie die anschliessend einsetzende Geburtenkontrolle beschreiben damit den Wandel von einer Gesellschaft mit ungesteuertem, lebensverschwendendem Fruchtbarkeitsverhalten (hohe Geburtenrate, hohe Sterblichkeit) zu einer Gesellschaft mit zweckrationalem, lebensschonenden Fruchtbarkeitsverhalten (tiefe Geburtenraten, tiefe Sterblichkeit).
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| Ereignis |
Zeitpunkt |
Ursache |
| ↑ |
1817 |
Wirtschaftskrise |
| ↑ |
1850-1859 |
Wirtschaftskrise |
| ↑ |
1868-1874 |
Wirtschaftskrise |
| ↑ |
1918 |
Spanische Grippe |
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V. 1900-1999
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Während die Sterblichkeit im ganzen Kanton Bern nach der etwa 1925 abgeschlossenen Reduktion bis heute beinahe konstant blieb, sank die Sterblichkeit in der Gemeinde Worb nach 1960 noch einmal um über einen Drittel und verharrte fast bis heute bei rund 60% der durchschnittlichen kantonalen Werte. Aufgrund der allgemein tiefen Werte und der Konstanz der beiden Kurven verlangt der in absoluten Zahlen betrachtet kleine Unterschied nach einer Erklärung, insbesondere da auch die Geburtenwerte dieser Zeit in Worb überdurchschnittlich hoch waren.
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Die Erklärung fällt so einfach wie unspektakulär aus: Um 1960 führten die steigenden Einwanderungszahlen von vorwiegend italienischen Gastarbeitern als Folge des Wirtschaftsbooms zu einer Wohnungsnot in den Städten; kombiniert mit der gesteigerten Mobilität stieg deshalb die Nachfrage nach Wohnungen auf dem Land. Beweis dafür ist die Flut von Baugesuchen beispielsweise in der Gemeinde Worb zwischen 1960 und 1970. Die Bewilligung der meisten Gesuche führte in Worb Dorf zu einer Veranderthalbfachung, in Rüfenacht gar zu einer Verfünffachung des Wohnraumes innert rund zwanzig Jahren! Wie der Abbildung hier entnommen werden kann, waren die anderen Gemeindeteile von den massiven Zuwanderungen nicht betroffen.
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Weil die neugeschaffenen Wohnungen in erster Linie von jungen Paaren besetzt wurden, die Interesse daran hatten, bei guten Verbindungen in die Stadt eine Familie auf dem Land zu gründen, veränderte sich mit den Zuwanderern auch die Bevölkerungsstruktur. Die Darstellung der Altersstruktur von 1970 zeigt, dass in Rüfenacht knapp 75% der Bevölkerung unter vierzig Jahren alt war, während der Kantonsdurchschnitt bei unter 50% lag. Anhand der Darstellung dieser als Folge der Zuwanderungen veränderten Bevölkerungsstruktur lassen sich sowohl die hohen Geburtenwerte wie auch die tiefe Sterblichkeit der Gemeinde Worb erklären.
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| Ereignis |
Zeitpunkt |
Ursache |
| ↑ |
1918 |
Spanische Grippe |
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C. Migration
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I. Allgemeines
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Da die Wanderungen insbesondere vor 1876 kaum spezifisch erfasst worden sind, wird hier die Differenz zwischen der natürlichen Fluktuation der Bevölkerung (Geburt und Tod) und der in Volkszählungen effektiv ausgewiesenen Gesamtbevölkerung als Migration gewertet. Um die Ungenauigkeiten einzudämmen, werden die Daten in Form von Zehnjahressummen ausgegeben.
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Problematisch im Zusammenhang mit Migrationsdaten ist, dass unter den Begriff der Zu- und Abwanderungen einer Gemeinde grundsätzlich jeder über die Gemeindegrenze hinweg erfolgte Wohnortswechsel fällt. Schwierig zu fassen sind damit nicht nur die absoluten Werte der Wanderungen, sondern insbesondere die Unterscheidung von Nah- und Fernwanderungen: Eine Nahwanderung kann beispielsweise ein Wohnortswechsel von Worb in eine andere Berner Gemeinde, eine Fernwanderungen der Auszug in Solddienste sein. Obwohl die Unterscheidung der beiden Wanderungstypen für die demographische Entwicklung keine Bedeutung aufweist, ist sie für die Erklärung der Wanderungen absolut zentral.
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Erklärungen von Wanderungen erfolgen nämlich im allgemeinen anhand von sogenannten Pull- und Push-Faktoren. Pull-Faktoren sind mögliche Anreize, die einen Menschen in eine andere Gegend ziehen, beispielsweise gute Verdienstmöglichkeiten oder billig zu erwerbendes Land. Push-Faktoren sind bestehende Probleme, die einen Menschen zum Wegziehen aus einer Gegend verleiten, beispielsweise Versorgungsengpässe oder Arbeitslosigkeit. Das Zusammenspiel verschiedener solcher Faktoren entscheidet letztlich über die Wanderungsbereitschaft eines Menschen.
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Aufgrund der beschränkten Datenmenge soll die Migration der Gemeinde Worb vorwiegend in bezug auf die grossräumig erklärbaren Fernwanderungen ausgewertet werden.
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II. Übersicht
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Für die Auswertung werden die Daten auf eine gleichbleibende Anzahl von Einwohnenden umgerechnet. Es ist speziell darauf hinzuweisen, dass es sich bei den Werten um eine Wanderungsbilanz handelt, also um die Gewinne abzüglich der Verluste; wie viele Menschen effektiv nach Worb gezogen sind bzw. Worb verlassen haben, geht aus dieser Bilanz nicht hervor und kann aufgrund der vorhandenen Daten auch nicht ermittelt werden. Die Bilanz dürfte dennoch ausreichen, um die demographische Entwicklung der Gemeinde zu untersuchen.
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III. 1725-1824
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Bis in die Jahre vor der Französischen Revolution war die Wanderungsbilanz in Worb stark negativ; bei den Auswanderern scheint es sich vorwiegend um Söldner gehandelt zu haben. Weil diese mit dem drohenden Ausbruch des Krieges in der Heimat benötigt wurden, schwanden die Wanderungsverluste um 1790 massiv. Mit Gründung der Helvetik wurde die Bilanz sogar für kurze Zeit positiv und gestaltete sich anschliessend ausgeglichen.
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Die stetigen Wanderungsverluste im ganzen Kanton Bern in der Zeit vor 1800 sind einfach zu erklären: Den Auswanderungen der Söldner standen praktisch keine Einwanderungen gegenüber. Die zuwanderungsfeindliche Berner Politik, die sich in erster Linie gegen Verarmte richtete, formulierte auch für Vermögende hohe Auflagen und schreckte damit Zuwanderer aller Art ab. Fremde waren im Kanton Bern nicht willkommen; verarmte Fremde wurden gebrandmarkt und nach der dritten Festnahme hingerichtet.
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Die Helvetik brachte eine Kehrtwende dieser Politik: Immerhin jeder nicht verarmte Bürger der helvetischen Republik genoss vollumfängliche Freizügigkeit. Diese Form der Freizügigkeit wurde auch in der Zeit nach der Helvetik grundsätzlich beibehalten, was allgemein zu einer Auswanderung im agrarischen Bereich tätiger Verarmter und einer Einwanderung im gewerblichen Bereich tätiger Spezialisten führte. Das Resultat ist eine ausgeglichene bis positive Wanderungsbilanz während der ganzen ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
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IV. 1805-1924
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Nach den ausgeglichenen Werten der ersten Hälfte des Jahrhunderts gestaltete sich die Wanderungsbilanz ab 1845 für knapp hundert Jahre wieder deutlich negativ; Gründe für die hohen Wanderungsverluste waren in erster Linie Emigrationen in die USA. Als Pull- und Push-Faktoren für die Auswanderungen können im wesentlichen folgende vier Punkte genannt werden:
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1. Nach dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts drängten die starken Jahrgänge der Jahrhundertwende auf den Arbeitsmarkt: Bis zur Mitte des Jahrhunderts war der Arbeitsmarkt deshalb überfüllt, die Arbeiter erhielten Tiefstlöhne. Im Gegensatz dazu boomte die US-Wirtschaft.
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2. Boden und Kapital waren fest im Besitz der Oberschicht und die sozialen Aufstiegschancen entsprechend gering. Selbst die Nahrungsmittelpreise konnten von der Oberschicht festgelegt werden, weshalb die höheren Preise bei Ernteausfällen zu Versorgungsengpässen führten, obwohl an sich genügend Nahrung vorhanden gewesen wäre. Im Gegensatz dazu winkten in den USA freies Land und unbegrenzte Möglichkeiten.
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3. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte sich die Welt aufgrund der technologischen Entwicklungen der Industrialisierung wie Eisenbahnen und Dampfschiffen merklich: Der wirtschaftliche Konkurrenzdruck stieg ins unermessliche, weil Billigprodukte aus fernen Ländern plötzlich die bis dahin autarken Märkte überschwemmten. Gleichzeitig wurde eine Reise in die USA immer unbeschwerlicher.
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4. Die Auswanderer der vorangegangenen Jahre hatten den Weg in die Neue Welt geebnet: Briefe und andere Zeugnisse bestätigten die ungeahnten Möglichkeiten, forderten die Zurückgebliebenen zum Nachkommen auf und gaben Hinweise zum Vorgehen. Dieser rückgekoppelte Prozess hatte zur Folge, dass der Anreiz zum Auswandern für die Zurückgebliebenen grösser wurde, je mehr Leute in die Neue Welt aufbrachen.
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Diese Faktoren waren im allgemeinen stark genug, um insbesondere ärmere Menschen zur Auswanderung in die USA zu bewegen - wer die Überfahrt nicht bezahlen konnte, erhielt von der zuständigen Gemeinde vielfach ein Reisegeld zugesprochen, welches diese dafür von weiteren Unterstützungszahlungen befreite. Wenn auch noch krisenbedingte Push-Faktoren hinzukamen, erreichten die Auswanderungen rasch Rekordwerte:
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Zwischen 1840 und 1850 wütete im Kanton Bern die sogenannte Kartoffelpest: Die Kartoffeln verfaulten, Einkommenseinbussen und Versorgungsengpässe waren die Folge. Zwischen 1850 und 1855 waren zudem witterungsbedingte Ernteausfälle zu beklagen; dies führte zu Arbeitslosigkeit und offener Hungersnot. An der Schwelle zur Industrialisierung offenbarten sich damit noch einmal unbarmherzig die Schwächen des labilen, agrarisch geprägten Arbeitsmarktes und der monopolistischen Versorgungsstrukturen. Die Kombination mit der demographischen Ausnahmesituation liess die Auswanderungswerte ab etwa 1845 förmlich explodieren.
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Dreissig Jahre später begann die Schweiz die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Einbindung in den Weltmarkt zu fühlen: Die um 1880 eingefahrenen Missernten liessen sich nun nicht mehr wie bisher zu überhöhten Preisen verkaufen, weil mit der Eisenbahn billige Alternativprodukte auf den Markt gebracht wurden. Besonders Kleinbauern konnten den aufgrund der neuen Preisbildung entstehenden Erwerbsausfall aber nicht verkraften. Nach der Krise um 1880 folgten deshalb vermehrt Bauern und Kleinbürger den bis dahin ausgewanderten Verarmten in die USA.
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Interessanterweise äusserten sich Wirtschaftskrisen ab etwa 1840 nicht mehr wie bis dahin in Form von überhöhter Sterblichkeit. Dies zeigt deutlich, dass insbesondere die von Wirtschaftskrisen am stärksten Betroffenen ihr Heil vermehrt in der Flucht, will heissen in der Auswanderung suchten.
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V. 1905-1994
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Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem anschliessenden Wirtschaftsboom glich sich die Wanderungsbilanz wieder aus und wurde zum ersten Mal seit hundert Jahren wieder positiv. Die Einwanderung von vorwiegend italienischen Gastarbeitern führte im Kanton Bern sogar zu einem Zuwanderungshoch zwischen 1955 und 1964 von 27 Promillen.
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Zur gleichen Zeit erlebte die Gemeinde Worb eine eigentliche Bevölkerungsexplosion von über 20 Prozent (205 Promille)! Diese Zuwanderungen sind auf die rege Bautätigkeit zurückzuführen (wie im Zusammenhang mit der Mortalität bereits dargelegt wurde). Im Anschluss an die massiven Überbauungen gestaltete sich die Wanderungsbilanz wieder leicht negativ.
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D. Gesamtbevölkerung
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I. Allgemeines
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Wie in der Einleitung erwähnt, ist die Gesamtbevölkerung das Resultat der Geburten, Todesfälle und Wanderungen. Weil diese Daten in den vorangehenden Abschnitten ausführlich erläutert worden sind, bleibt die Entwicklung der Gesamtbevölkerung hier lediglich mit kurzen Verweisen auf die jeweiligen Abschnitte zu kommentieren.
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II. Übersicht
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Die Werte vor 1725 beruhen auf Hochrechnungen der Taufen und sind deshalb grobe Schätzwerte, die hier nicht weiter berücksichtigt werden können. Die Werte nach 1725 wurden berechnet und mit den Volkszählungen abgeglichen.
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Bezüglich der Auswertungen muss angefügt werden, dass die Gesamtbevölkerung die Grundlage für vergleichende Umrechnungen bildet; um die Entwicklung der Gesamtbevölkerung selbst vergleichen zu können, muss das jeweilige Wachstum zum Vorjahr auf eine gleichbleibende Anzahl Einwohnende berechnet werden.
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III. 1725-1825
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Die Mortalitätskrisen sowie der Geburtenanstieg kommen im Bevölkerungswachstum 1725-1825 deutlich zum Ausdruck. Ein Spiegelbild der Teilwerte sind auch die hohen Schwankungen bzw. Ausschläge der Werte.
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Diese Ausschläge sind vorwiegend witterungsbedingt bzw. ernteabhängig und damit ein typisches Merkmal vorindustrieller Gesellschaften. Die Theorie lautet, dass das Wachstum einer Gesellschaft vom ihr zur Verfügung stehenden Nahrungsspielraum kontrolliert werde. Ein in diesem Zusammenhang gebrauchtes Stichwort ist der Plafond, also der obere Grenzbereich des Wachstums.
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| Ereignis |
Zeitpunkt |
Ursache |
| ↓ |
1733 |
Wirtschaftskrise |
| ↓ |
1750 |
Rote Ruhr |
| ↑ |
1751-1759 |
Folgeerscheinungen der Roten Ruhr 1750 |
| ↓ |
1769-1774 |
Echoeffekt der Roten Ruhr 1750, Wirtschaftskrise |
| ↑ |
1774-1778 |
Echoeffekt der Folgeerscheinungen 1751-1759 |
| ↓ |
1778 |
Wirtschaftskrise |
| ↓ |
1795-1798 |
Erster Koalitionskrieg, Wirtschaftskrise |
| ↑ |
1799 |
Reaktion auf Proklamation der Helvetik 1798 |
| ↓ |
1814 |
Wirtschaftskrise |
| ↓ |
1817 |
Wirtschaftskrise |
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IV. 1800-1925
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Die massiven Auswanderungen um 1850 und 1880 überschatten die langfristigen Entwicklungen der Sterblichkeitsreduktion und der Geburtenkontrolle; auffällig ist die um 1900 erfolgende Einebnung der oben genannten Ausschläge als Folge dieser langfristigen Entwicklungen.
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Im Zusammenhang mit den Auswanderungen stellt sich die Frage, ob der oben angesprochene Nahrungsspielraum durch die Produktionsmenge oder die Verteilung begrenzt wurde: Sollten nämlich Nahrungsmittel tatsächlich von der Oberschicht gehortet worden sein, hätte die Produktionsmenge an sich für eine grössere Anzahl Menschen ausgereicht. Die entsprechende Theorie lautet denn auch, dass nicht der Nahrungsspielraum das Bevölkerungswachstum, sondern das Bevölkerungswachstum den Nahrungsspielraum kontrolliere: Demnach würde es auch vom Bedürfnis bzw. vom Interesse der Menschen abhängen, die Produktionsmenge zu erhöhen.
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| Ereignis |
Zeitpunkt |
Ursache |
| ↓ |
1817 |
Wirtschaftskrise |
| ↓ |
1847 |
Kartoffelpest |
| ↓ |
1850-1859 |
Auswanderungen, Wirtschaftskrise |
| ↓ |
1868-1874 |
Auswanderungen, Wirtschaftskrise |
| ↓ |
1918 |
Spanische Grippe |
| ↑ |
1920 |
Reaktion auf Ende des 1. Weltkrieges 1918 |
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V. 1900-1999
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Das 20. Jahrhundert ist geprägt von konstanten, tiefen Werten in allen demographischen Bereichen; dies führt zu einem entsprechend ausgeglichenem Bevölkerungswachstum. Gut sichtbar ist der allgemeine Geburtenanstieg zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Pillenknick sowie die starke Zuwanderung in die Gemeinde Worb in den Jahren 1960-1980.
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Interessant ist die bereits mehrfach behandelte Bevölkerungsexplosion als Folge der regen Bautätigkeit in der Gemeinde Worb unter Berücksichtigung der einzelnen Gemeindeteile: Die Aufschlüsselung der Bevölkerungsdaten zeigt, dass ausschliesslich Worb Dorf und insbesondere Rüfenacht von den Zuwanderungen profitierten. Zum Vergleich wurden auch die Daten der Volkszählungen von 1764 und 1818 angegeben.
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| Ereignis |
Zeitpunkt |
Ursache |
| ↓ |
1918 |
Spanische Grippe |
| ↑ |
1920 |
Reaktion auf Ende des 1. Weltkrieges 1918 |
| ↑ |
1940-1945 |
Reaktion auf 2. Weltkrieg |
| ↓ |
1965-1975 |
Pillenknick |
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4. Schlussbemerkungen
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In der vorliegenden Arbeit wurde versucht, zuerst eine kurze Einführung in die wichtigsten Grundlagen der Bevölkerungslehre zu geben und anschliessend die demographische Entwicklung Worbs im Vergleich zum gesamten Kanton Bern möglichst einfach und einheitlich darzustellen. Aufgrund des vorhandenen Datenmaterials wurde dabei auf die Auswertung der Fruchtbarkeit verzichtet.
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Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die demographische Entwicklung der Gemeinde Worb in allen Auswertungsbereichen weitgehend der Entwicklung des Kantons Bern entspricht. Die Bevölkerungsentwicklung Worbs kann damit unter Berücksichtigung der bekannten schweizerischen und europäischen Prozesse befriedigend erklärt werden. Als einzige gravierende Abweichung konnte die Zuwanderung im Zeitraum 1960-1980 sowie deren Auswirkungen ausgemacht werden (die aber ebenfalls typisch sein dürften für gut erschlossene kleinere Gemeinden in der Nähe grösserer Zentren). Aufgrund dieser Übereinstimmungen sowie der Überprüfung einiger Stichproben kann deshalb davon ausgegangen werden, dass auch die Entwicklung der Fruchtbarkeit Worbs analog derjenigen des Kantons Bern verläuft.
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5. Bibliographie
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Quellen
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BERNHIST: siehe Pfister: Bernhist.
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Bilanz der Wohnbevölkerung in den Gemeinden der Schweiz (Bundesamt für Statistik) 1989-1999.
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PAW Ordner 296: Demographie Kirchgemeinde 1950-70.
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StaB B III 204: 1764 - Pfarrberichte, Bevölkerungstabellen.
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StaB B XIII 599, 605-627, 630: 1764-1818 - Bevölkerungstabellen, Mannschaftslisten.
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StaB K 1 - 10: 1566-1875 - Taufrödel Worb.
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|
StaB K 1, 15-19: 1628-1875 - Totenrödel Worb.
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|
Verwaltungsberichte der Gemeinde Worb 1989-1999.
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Literatur
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Bergier, Jean-François: Die Wirtschaftsgeschichte der Schweiz, Zürich 1990.
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Boserup, Ester: The Conditions Of Agricultural Growth, London 1965.
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Höpflinger, François: Bevölkerungswandel in der Schweiz – Zur Entwicklung von Heiraten, Geburten, Wanderungen und Sterblichkeit, Grüsch 1986.
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Kellerhals-Maeder, Andreas: Weisst Du wieviel Sternlein stehen...? – Die protostatistischen Erhebungen im Kanton Bern zwischen 1528 und 1831 (Lizentiatsarbeit), Historisches Institut der Universität Bern 1984.
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Knodel, John E.: Demographic Behaviour In The Past, Cambridge 1988.
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Kriedte, Peter / Medick, Hans / Schlumbohm, Jürgen: Industrialisierung vor der Industrialisierung, Göttingen 1978.
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Kurz, Gottlieb / Lerch, Christian: Geschichte der Landschaft Hasli, Meiringen 1979.
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Mattmüller, Markus: Bevölkerungsgeschichte der Schweiz Teil I - Die frühe Neuzeit 1500-1700, Basel 1987.
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Medick, Hans: Hunger, Ernährung und Politik in: Sozialwissenschaftliche Information für Unterricht und Studium 14/2, S. 95-102.
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Netting, Robert: Balancing On An Alp, Cambridge 1981.
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Perrenoud, Alfred: Les Mécanismes De Récuperation D’Une Population Frappée Par La Peste in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 31, S. 455-491.
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Pfister, Christian: Bernhist: eine Quellen- und Datenbank wird zum Ausgangspunkt einer neuen Landesgeschichte für den Kanton Bern – Analyse raumzeitlicher Veränderungen von Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt im Kanton Bern 1750-1920, Hisorisches Institut der Universität Bern 1988.
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|
Pfister, Christian: Der ‚Baby-Peak’ der Helvetik - Fragen und Ergebnisse zur Bevölkerungsgeschichte der Periode 1760-1850 am Beispiel des Kantons Bern in: Simon, Christian (Hrsg.): Sozioökonomische Strukturen – Frauengeschichte/Geschlechtergeschichte, Basel 1997, S. 59-66.
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|
Pfister, Christian: Grauzone des Lebens – Die aggregative Bevölkerungsgeschichte des Kantons Bern vor dem Problem der totgeborenen und ungetauft verstorbenen Kinder in: Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Jahrbuch) 1986.
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Pfister, Christian: Im Strom der Modernisierung – Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt im Kanton Bern 1700-1914, Bern/Stuttgart/Wien 1995.
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Riley, James C.: The Eighteenth-Century Campaign To Avoid Disease, Houndmills, 1987.
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